Die Angst vor Russland – und wem sie nützt
Das Gerede von einem möglichen Angriff Russlands auf Deutschland von Politik und Medien dient nur als Rechtfertigung für die Aufrüstung. Merz will schließlich für den deutschen Nationalstaat die »konventionell stärkste Armee Europas« und das am besten sofort. Ist ja auch noch nie schiefgegangen und weckt auf keinen Fall Erinnerungen an andere Zeiten.
Wenn man mal drüber nachdenkt, wird einem aber schnell klar, dass diese Gefahr in Wahrheit gar nicht besteht. Putin müsste dafür entweder die russischen Truppen aus der Ukraine abziehen oder eine zweite Armee aus dem Hut zaubern, die er die ganze Zeit versteckt und im Geheimen aufgebaut hat.
Das wird beides nicht passieren. Die Truppen aus der Ukraine zurückzuziehen würde eine Niederlage Russlands bedeuten. Putin will diesen Krieg unbedingt gewinnen und er weiß genau, dass er sich eine Niederlage nicht leisten kann. Eine zweite »Geheim-Armee« oder eine große Reserve an Soldaten und Kriegsmaschinerie würde er stattdessen in die Ukraine schicken. Das Risiko, eine zweite Front mit einem weiteren (NATO-) Staat aufzumachen, ist sowieso viel zu hoch.
Abgesehen davon ist es ein Fakt, dass Russland seit über viereinhalb Jahren an der Ukraine scheitert, wobei es schon lange keine nennenswerten Veränderungen im Frontverlauf mehr gibt. Wenn es die russische Armee schon nicht schafft, sich gegen die Ukraine durchzusetzen, wie soll sie das dann bitte gegen einen NATO-Staat – ob jetzt Deutschland oder ein anderer?
Auch die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen ist eher gering bis nicht vorhanden. Putin wird im Westen gerne als das pure Böse oder einfach als »Irrer« oder »Wahnsinniger« dargestellt, damit man sich nicht mit den Gründen für diesen Krieg auseinandersetzen muss. So kann man es auch gut verkaufen, dass dem »Putler« alles zuzutrauen ist und er vielleicht einfach auch mal aus Langeweile oder weil’s nicht läuft den »Roten Knopf« drückt. Es ist aber natürlich allen Verantwortlichen inklusive Wladimir Putin klar, was das zur Folge hätte. Russland würde das nicht überstehen und die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Weltkriegs wäre extrem hoch. Dieser könnte das Ende der Menschheit bedeuten.
Der Grund für diesen Krieg ist aber nicht »Wahnsinn«. Putin ist das Staatsoberhaupt des russischen Nationalstaats. Seine Aufgabe ist es allein, sich für die Interessen dieses Staats einzusetzen. Genauso wie Merz für die des deutschen. Jedes Land will vor allem eins: seine Unabhängigkeit und Sicherheit selbst in der Hand behalten. Diese sieht Putin durch die NATO bedroht. Kein Wunder, schließlich ist einer der Hauptgründe für das Entstehen der NATO der Kampf gegen Russland – damals noch die Sowjetunion. Dazu kommt, dass Russland vom Westen (NATO) immer wieder als Feind dargestellt wurde.
Genau deshalb hat Russland – und damit auch Putin – die NATO-Osterweiterung als rote Linie gesehen. Die eigene Souveränität und Sicherheit fühlten sich plötzlich bedroht. Das ist der eigentliche Grund für den Krieg. In den Medien wird das zwar immer wieder als »Kreml-Propaganda« bezeichnet, aber die NATO-Osterweiterung hat faktisch stattgefunden – die NATO hat ihr Gebiet in Osteuropa vergrößert und rückt räumlich näher an Russland heran. Auch ein Beitritt der Ukraine zur NATO – ein absolutes No-Go für Russland – war und ist kein komplett abwegiges Szenario.
Wenn man sich mal in die Position Russlands und Putins hineinversetzt, ist dieser Angriffskrieg durchaus nachvollziehbar. Objektiv betrachtet ist dieser Krieg selbstverständlich abzulehnen und sofort zu beenden. Das wird ohne Zugeständnisse an Putin aber nicht funktionieren. Er braucht irgendwas, was er als Sieg verkaufen kann. Das will man ihm aber nicht geben. Und da der Krieg militärisch nicht zu gewinnen ist, wird der Krieg noch eine ganze Weile weitergehen.
An der Stelle könnte ich noch auf die Interessen und Motivationen des Westens dafür eingehen. Das werde ich aber in einem eigenen Artikel ausführlicher tun.